Kulturausflug der IM bot spannende Einblicke in Freiburg i. Üe.
Jedes Detail beinhaltet bedeutende Informationen zu Geschichte und Gehalt der Kathedrale Freiburg.
Schon auf dem Weg vom Bahnhof zum Franziskanerkloster in der Fribourger Altstadt ordnete Urban Fink, Geschäftsführer der Inländischen Mission, den Stellenwert der Saanestadt für den Schweizer Katholizismus mit zwei Beispielen ein: Von den Zähringern gegründet, blieb Freiburg während der Reformation katholisch und wurde 1889 die Universitätsstadt der Schweizer Katholiken. Doch auch in der Bildung von Kindern und Jugendlichen konnte Freiburg mithalten: Der Franziskanerpater Grégoire Girard gründete Anfang des 19. Jahrhunderts eine öffentliche Volksschule und gilt als «katholischer Pestalozzi».
Ein Prachtwerk des «Nelkenmeisters»
Bereits 1256 liessen sich die ersten Franziskaner-Minoriten, «Cordeliers» oder auch schwarze Franziskaner genannt, als Ordensbrüder des Heiligen Franziskus in Freiburg nieder. 1281 wurde die Franziskanerkirche eingeweiht, die als typische Bettelordenkirche bis heute ein bedeutender spiritueller Ort der Stadt ist.

Urs Staub, Vorstandsmitglied der Inländischen Mission, wies die interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem auf den sogenannten «Nelkenmeisteraltar» hin, eines der europäisch bedeutendsten Kunstwerke des Mittelalters.
Das Kloster war in früher Zeit auch Herberge für Staatsgäste und dessen Kirche Ort der Bürgerversammlung und 1803 unter dem ersten Landammann der Schweiz Versammlungsort für die Tagsatzung der Eidgenossenschaft.
Lukas Camenzind, Archivar und Bibliothekar des Franziskanerklosters, stellte bedeutende Handschriften und frühe Drucke aus der Bibliothek vor und wies darauf hin, dass das Kloster auch eine Buchbinderei geführt hat.

Heute ist der Grossteil der Räumlichkeiten des Klosters vermietet. Bruder Daniel Brocca, der Guardian des Klosters, erläuterte, dass der Unterhalt dieses bedeutenden Kulturgutes immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringe. Momentan sind es die Innenbeleuchtung der Kirche und die Dachsanierung, die es zu bewältigen gilt. Bruder Daniel konnte aber auch festhalten, dass die Gemeinschaft dabei auf grosse und treue Unterstützung zählen darf, unter anderem auch auf die Hilfe der Inländischen Mission durch die Epiphaniekollekte 2026.
Rathaus und Kathedrale
Das Rathaus, erst der Stadt und dann auch des Kantons Freiburg, war einst ein Kornspeicher. Bernhard Altermatt erläuterte mit grosser Freude die Details des über 500-jährigen Saales des Freiburger Kantonsparlaments, des Grossen Rates. Der Mitte-Politiker, der nächstes Jahr den Freiburger Grossrat präsidieren wird, machte deutlich, wie wichtig dass ihm die historische wie auch die kirchliche Rückbindung der Stadt- und Kantonsgeschichte für seine Ratstätigkeit ist.

Die St.-Niklaus-Kathedrale wurde ursprünglich zwischen 1283 und 1490 als Stadtkirche gebaut. Freiburg gehörte einst zum Fürstbistum Lausanne. Die Stadt wurde erst 1924 Bischofssitz für das heutige Bistum Lausanne-Genf-Freiburg und damit die 1512 durch den Freiburger Rat zum Chorherrenstift erhobene Kirche Kathedrale. Seit 1798 ist die St.-Nikolaus-Kirche Eigentum des Kantons Freiburg, der somit für deren Unterhalt verantwortlich ist. Besonders bedeutsam sind das ganz erhaltene, schweizweit älteste Chorherrengestühl und die Grablegung Christi aus dem 15. Jahrhundert.
Bedeutende Glasmalerei aus dem 20. Jahrhundert
Bei seinen Ausführungen wies Urs Staub darauf hin, dass die Kirche kunsthistorisch zu Unrecht im Schatten anderer Kathedralen stehe. Die von einer Bruderschaft gespendeten Glasfenster in sakralem Jugendstil von Józef Mehoffer aus den Jahren 1896–1936 bilden eines der hervorragendsten und phantasievollsten Hauptwerke der europäischen Glasmalerei.
Die Ausführungen wurden von den 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kulturausflugs mit grossem Interesse zur Kenntnis genommen. Und viele aus der bunt gemischten Gruppe freuen sich bereits auf den IM-Kulturausflug 2027.
